ULRICH SCHNAUSS & MARK PETERS

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Das Überführen der Shoegazer-Soundästhetik in einen elektronischen Kontext – so formulierte Ulrich Schnauss einmal sein Ziel als Künstler. Zu seinen Einflüssen gehören Bands wie My Bloody Valentine, Slowdive, Cocteau Twins oder Chapterhouse. Einerseits. Andererseits schätzte er den spielerisch-leichten Umgang mit Elektronika von Bands wie The Orb, Bionaut, Orbital, 808 State und durchaus auch von Veteranen dieses Genres wie Tangerine Dream oder Manuel Göttsching. “Bruder im Geiste von Robin Guthrie” könnte man Schnauss auch nennen, das trifft es ebenfalls ganz schön.

Seelenverwandt könnte man auch seinen Kollaborationspartner Mark Peters nennen. Mit seiner Band Engineers hat er sich ebenfalls sehr erfolgreich auf die Spuren seiner musikalischen Vorbilder begeben. Die Engineers haben wunderbare Dreampop-Alben veröffentlicht, die denselben Geist atmen wie Schnauss’ Solowerke. Peters und Schnauss sind seit vielen Jahren befreundet. Und seit über einem Jahr ist Schnauss auch Mitglied der Engineers.

Seit zwei Jahren sitzen die beiden sporadisch zusammen und machen Musik. Die Ergebnisse dieser Sessions dienten als Vorlagen für die zehn Stücke ihres gemeinsamen Albums. Für Peters war der Arbeitsprozess ungewöhnlich, da er herkömmliches Songwriting gewohnt war. Das strukturlose Arbeiten, das allein auf die Schaffung einer Atmosphäre zielt, war ihm bis dahin fremd. Er hat es als befreiend empfunden. Für Peters war auch entscheidend, dass die Arbeit ausschließlich nachts stattfand. Das hat der Musik ihre somnambule Stimmung verliehen, die durchaus beabsichtigt gewesen ist. Ziel war es außerdem, ein Werk zu schaffen, das weder einer Musikgattung noch einem Zeitgeist zuzuordnen ist. Auch das ist mit Bravour gelungen!

Für Schnauss hingegen ist das Erzeugen einer Atmosphäre mithilfe von Musik der Normalfall: Er macht Musik für die kleinen Fluchten. Kopfhörer auf und sich kurz mal ausklinken aus der Realität. Das hat er 2001 auf seinem ersten, hoch gefeierten Album „Far Away Trains Passing By“ meisterhaft vorgeführt. Seitdem ist er seiner Linie treu geblieben: Ausgefeilte elektronische Klangtexturen, federnde Drumcomputer-Rhythmen und verwehte Synthesizerflächen sind die Merkmale des typischen Schnauss-Sounds. Auf dem vorliegenden Album ist Schnauss auch ungewöhnlich häufig am Klavier zu hören, was dem Gesamteindruck sehr zugute kommt.

“Underrated Silence” ist ein meist ruhiges, sehr vielschichtiges Album geworden. Bei jedem Hören gibt es Neues zu entdecken, neue Texturen tun sich auf, ein neuer Rhythmus schält sich aus der Klangwolke heraus, eine noch nicht bemerkte Melodie erhellt den Hintergrund. Schnauss und Peters haben eine im wahrsten Sinne bezaubernde Musik geschaffen, glitzernde Klänge, schwebende Echos, rhythmisch widerhallende Akkorde, die einen schon beim ersten Hören umhüllen, in einen Schwebezustand versetzen und sanft wegtragen.

Die Musiker: Ulrich Schnauss, geboren 1977 in Kiel, heute wohnhaft in London, veröffentlichte bisher drei Soloalben, ist Keyboarder der Engineers und ein gefragter Remixer (u. a. Mojave 3, Depeche Mode, Lunz/Roedelius). Mark Peters, geboren 1975 in Liverpool, ist Bassist, Gitarrist und Songwriter der britischen Band Engineers, die bislang ebenfalls drei Alben veröffentlicht hat.

Die Musik: Synthesizer, Klavier, Gitarre und Drumcomputer erschaffen eine reduzierte, dennoch schwelgerische instrumentale Kombination aus Ambient-, Elektronika- und Shoegazer-Sounds.

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