Feine Sache: Never Shout Never und Time Travel

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Es ist eher selten, das man gleich erstaunt ist, hört man ein neues Album, bei Never Shout Never und Time Travel war es wieder mal soweit. Wie sagt man hier so schön: Dat geiht ine Riestüten (Ohren)…

Es passiert nicht allzu oft, aber es passiert: Die komplette Neuerfindung einer Band. So wie bei Never Shout Never. Während das seltsame Künstlersynonym lange Zeit eng mit dem 20-jährigen Christopher Drew verbunden war, so steht der Name Never Shout Never heute für eine ganze Band und ihren Frontmann mit einer der zerzauseltsten Frisuren in Rock. Eine Veränderung, deren Zeitpunkt nicht besser hätte gewählt sein können!

6 EPs, 2 Fulltime-Alben, über 2,5 Millionen Facebook-Fans, fast 50 Millionen MySpace-Views und weit über 157 Millionen Plays seiner Songs – eigentlich markiert schon Drews erster Song-Upload seinen unfassbaren Durchbruch als Künstler. Nichts desto trotz folgten nach dem Release seines von Butch Vig (Nirvana, Garbage…) produzierten Longplayer „Harmony“ auch auf die guten, schlechte Zeiten. Zur Verbitterung über den Zustand der Musikindustrie gesellte sich schließlich der Trennungsschmerz von seiner Freundin – kreative Fesseln, von denen sich Drew nach mehr als zwei Jahren lösen und als Quasi-Erleuchteter einen ganz neuen artistischen Pfad zu beschreiten begann.

Selbsttherapeutische Schritte, die sich nun auf „Time Travel“ widerspiegeln, dem ersten Album, welches als kompakte Band in Springfield, MO produziert wurde: Christopher Drew, Caleb Denison (Gitarre, Drums, Percussion), Taylor MacFee (Bass) und Hayden Kaiser (Gitarre, Percussion). Mit beeindruckende Ergebnissen.

„Es war ein langer, harter Weg“, berichtet Christopher. „Im Grunde wollte ich schon immer eine richtige Band um mich herum. Doch die Leute haben mir immer eingeredet, dass ich ein Solokünstler wäre und am besten alleine zurecht käme. Mit dem neu gebildeten Kern dieser Band fühlt sich alles gut an richtig an. Obwohl wir alle Individuen sind treten wir gleichzeitig für dieselbe Sache ein und repräsentieren Never Shout Never!“

Bitter-sweetness und ein gewisser Experimentalismus, der sich auf den Songs von „Time Travel“ niedergeschlagen hat. „Es sollte ein kleines Konzeptalbum werden“, erklärt Drew. „

Anders, als die Sachen, die ich bisher gemacht habe. Alles sollte ein wenig mehr trippy sein – ich war schon immer tief von der Idee fasziniert, Zeitreisen unternehmen zu können. Man merkt: Ich schaue sehr viel History Channel…“

History Channel und Zeitreisen als direktes Feldversuchsergebnis seines neu entdeckten Faibles für Dancemusic und Meditationsklänge. „Eine Zeit lang hing mir dieses ganze Musik-Ding wirklich zum Halse raus. Ich hörte nur Dylan und Pre-70ies-Zeug. Alles Neuere war in meinen Augen echter Bullshit. Doch irgendwann öffnete ich wieder die Augen. Ich machte mich auf nach Kalifornien und verliebte mich wahnsinnig in die dortige Rave-Szene. Plötzlich wurde mir klar, dass es mehr im Leben gibt, als so zu tun, als wäre man Bob Dylan. Viel mehr. Ich habe eine Menge über mich gelernt!“

Die Entwicklung von der solitären One-Man-Show hin zu einem kaum in Worte zu fassenden Phänomen. Ab dem Alter von 16 Jahren konnte Drews stetig wachsendes Publikum den künstlerischen Werdegang des wandlungsfähigen Rockers mitverfolgen. Sein ganzes Erfolgsgeheimnis ist simpel: Ganz einfach er selbst zu sein. „Ich war immer sehr ehrlich und habe mich immer so gegeben, wie ich wirklich bin. Selbst in wirklich miesen Zeiten habe ich immer ganz ungeschminkt das getan, was ich tun musste und mich nie verstellt. Ich denke, das Publikum weiß dies zu würdigen. Es spürt, wenn etwas echt ist und von Herzen kommt.“

Als „Rebirth album“ bezeichnet Drew selbst seine Platte. Die Wiedergeburt eines Ausnahmetalents, eingeläutet mit dem epischen, New Age-beeinflußten Titeltrack. „Getaway“ schlägt den Bogen weiter in Richtung Eskapismus und Tagträumerei. „Es geht darum, sich einfach gemeinsam für ein paar Momente weit weg zu denken, das alles kurz hinter sich zu lassen. Dieser Track wurde von all dem Stress und dem Drama inspiriert, welches ich während meiner schmerzhaften Trennung erlebt habe.“ Den absoluten Gegenentwurf gibt’s mit „Robots“: „Es geht ebenfalls um ein Mädchen, für das ich aber nichts empfinde und völlig gefühlskalt reagiere.“

„Lost At Sea“ – der Rausschmeißertrack auf „Time Travel“; entstanden nach Drews Nervenzusammenbruch. „Ich war ganz allein Zuhause. Ich wusste nicht, was ich mit mir anfangen sollte, also schnappte ich mir eine Gitarre und schrieb diesen Track. Die Formulierung. Verloren im Meer zu sein, charakterisiert für mich dabei, den Verstand zu verlieren. Falls ich vom Meer nicht mehr zurück kehre, sagt meinen Lieben, dass ich es tun musste und sie unendlich vermisse… Zieht einen ziemlich runter, klingt aber auf der anderen Seite extrem cool!“

Akzeptanz. Der erste Schritt für Veränderungen. Für große Veränderungen wie bei Never Shout Never. Und die ultimative Hilfe, mit den inneren Konflikten ein für allemal klarzukommen. Drew erklärt: „Ich hatte diese seltsame Phase, in der ich mit dem Erfolg gar nicht zurecht kam und mich einfach unwürdig fühlte. Heute nehme ich die Dinge, wie sie kommen. Was passiert, das passiert. Am Ende geht es nur darum, sich selbst treu zu bleiben und sich nicht von Außen beeinflussen zu lassen.

Einfacher Plan, so wie auch die Zielsetzung für die Zukunft von Never Shout Never: Viele weitere, schöne Platten, zwischendurch tolle Shows spielen und ein wenig mit dem Sound experimentieren. Überschaubar und sympathisch. „Wir machen es einfach wie Queen – großartige, experimentierfreudige Platten mit richtig tollen Hits drauf. Musik ohne irgendwelche Limits!“

http://www.nevershoutnever.com/

MPN

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