DAAN mit dem Video Icon auf Johnny Cash´s Spuren

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Seitdem dEUS in den frühen 90ern mit ihrem Debüt „Suds & Soda“ durchstarteten, dieser vor mutiger Entschlossenheit, Eigenständigkeit und Leidenschaft überbordenden Initialzündung einer höchst kreativen belgischen Indie-Szene, kam so manche – leider oftmals sträflich versteckte – Überraschungsperle zwischen Indie, Noise, Elektronik und Pop aus Belgien.

Von Anbeginn gehörte auch Daan Stuyven dazu, von Haus aus ein Grafik-Designer mit einem Faible für schräg hängenden Pop und einer charismatischen, tiefen Stimme, die The Thes Matt Johnson ebenso zur Ehre gereicht wie dem Johnny Cash aus der „Folsom Prison“-Ära.

Belgien: Schon immer weit mehr als das Land der Pommes und Pralinen. Wer sich mit der Geschichte europäischer Subkultur beschäftigt, der weiß um den eigenwilligen, charakteristischen und jederzeit individuellen Stil der Modemacher und Schmuckdesigner, Maler und Bildhauer, Autoren und Filmemacher aus Brüssel, Antwerpen oder Gent. Gleiches gilt für die Musik. Seitdem dEUS in den frühen 90ern mit ihrem Debüt „Suds & Soda“ durchstarteten, dieser vor mutiger Entschlossenheit, Eigenständigkeit und Leidenschaft überbordenden Initialzündung einer höchst kreativen belgischen Indie-Szene, kam so manche – leider oftmals sträflich versteckte – Überraschungsperle zwischen Indie, Noise, Elektronik und Pop aus Belgien.

Von Anbeginn gehörte auch Daan Stuyven dazu, von Haus aus ein Grafik-Designer mit einem Faible für schräg hängenden Pop und einer charismatischen, tiefen Stimme, die The Thes Matt Johnson ebenso zur Ehre gereicht wie dem Johnny Cash aus der „Folsom Prison“-Ära. Sein ruppig-kantiges, in seiner Symbiose aus Sampling und Indierock ziemlich einzigartiges Solodebüt „Profools“ erschien mitten in diese erste Begeisterung ob des neuen belgischen Subkultur-Sounds. Der Eingeweihte erinnert sich: Aus der dEUS-Urbesetzung ging Mitte der 90er eine Vielzahl von Bands und Projekten hervor; während Sänger Tom Barman mit dem Mutterschiff weitermachte, gründete Bassist Stef Kamil Carlens Zita Swoon und entwarf Mode.

Gitarrist Rudy Trouvé etablierte sein ‚Heavenhotel’-Label, um dort fast im Monatsturnus irre Platten jenseits aller Genres zu veröffentlichen; darunter eben auch Daans „Profools“ sowie die ersten Veröffentlichungen der Rockband Dead Man Ray, in der Trouvé und Stuyven gemeinsam nach einer neuen Ausdrucksform bluesiger Schwermut suchten. Rund eineinhalb Jahrzehnte später blickt Daan Stuyven auf eine kuriose Situation: In seinem Heimatland mittlerweile ein sicherer Lieferant für kommerziell erfolgreichen klanglichen Individualismus, der Top Ten-Hits ebenso zielsicher entwerfen kann wie außergewöhnliche Filmmusik zu Doku- und Spielfilm-Projekten, beginnt er seine Karriere nur eine Landesgrenze weiter nahezu von vorn. „Ich hatte jahrelang kein richtiges Management und habe mich selber viel zu sehr auf den künstlerischen Teil konzentrieren wollen, als dass ich das Geschäftliche noch hätte miterledigen können“, erklärt er. „Außerdem lief es doch gut hier in Belgien.“

Stimmt: Ab seinem zweiten Album „Bridge Burner“, mit dem er begann, die Schnittmenge aus Indie, Pop und geschmackvoll rollender Elektronik auszuloten, war Daan weit mehr als nur der nächste heiße Tipp. Mit der Single „Swedish Designer Drugs“ gelang ihm sein erster Single-Hit – dem mit dem nächsten Album „Victory“ gleich drei weitere folgten und dem Album zu Goldstatus und Daan zu seinem ersten Zamu Award für das „beste Album des Jahres“ verhalfen.

Mit „Victory“ integrierte er vorsätzlich das Element des Kitsches in seinem elektronischen Indiepop- Sound – und nahm damit in seiner ganz eigenen Weise den Electroclash-Hype einige Jahre später vorweg. Doch Daan wäre nicht er, wenn er im Anschluss einfach nach dem nächste Hit gefahndet hätte. Stattdessen erschienen mit „Cinema“ und „Camera“ erst einmal zwei aufwendig gestaltete, inhaltlich überragend vielseitige Zusammenstellungen seiner Filmkompositionen, bevor er mit „The Player“ ein weiteres Album vorlegte, das gleich mehrere erfolgreiche Singles abwarf. „Ich muss als Künstler vor mir immer etwas Mysteriöses, Unausgereiftes und Neues haben, damit mein Interesse konstant und intensiv bleibt“, sagt er.

„Ich könnte nie ein Album machen, das von der Idee oder dem Sound her auf dem Vorgänger basiert. Ich brauche das fortwährende Experiment und das Gefühl, ständig etwas zu tun, was ich noch nie gemacht habe. Die Frage: ‚Was wäre, wenn?’ begleitet mich ununterbrochen beim Musikmachen. Das einzige, was sich dabei über die Jahre geändert hat: Man wird subtiler in seinen Mitteln. Es muss nicht mehr die Brechstange sein, die die Veränderungen ankündigt. Auch ein Dietrich öffnet jede Tür.“
Er erzählt weiter: „Als ich an ‚Profools’ arbeitete, fühlte ich mich wie ein kleiner Junge, der auf einem Tennisschläger Luftgitarre spielt. Mittlerweile habe ich entdeckt, wie man diesen Schläger richtig einsetzt; ich bin mir meiner Fähigkeiten bewusst und sicher. Noch immer ist Kunst für mich eine Form von ‚ernsthaftem Spielplatz’: Man kann dort zwar tun und lassen, was man will, die eigenen Handlungen sollten am Ende aber doch einen tieferen Sinn ergeben.

Daan “Your Eyes” exclusive Free Download from the Album “Manhay”
http://soundcloud.com/heartofberlin/daan-your-eyes

Hier setzt der für mich durchaus wichtige Teil der Eigentherapie an: Würde ich nicht die Musik haben, müsste ich wohl viel Geld für Analysten ausgeben. Auf diese Weise haben aber alle etwas davon – und es kostet mich nicht einmal etwas, sondern ernährt mich auch noch. So entsteht für mich in der Musik eine eigene Wirklichkeit, eine Möglichkeit, mich selber ganz anders zu sehen und zu bewerten.“ Der Vorteil für uns Hörer: Was immer Daan tut, wir lernen den wahren Menschen hinter der Musik kennen. Bei ihm geschieht nie etwas aus Kalkül, nichts ist das Ergebnis einer sachlich nüchternen Überlegung – stattdessen erlauben seine Alben ein unbeschränktes Schwelgen in seiner immer wieder anders ausgelebten Kreativität, Spontaneität und kompositorischen Klasse, die über die Jahre stetig zugenommen hat. File under: „Manhay“, sein Studio-Album Nummer fünf – und das erste seit „Profools“, das regulär in Deutschland erscheint. Es zeigt wieder einen völlig neuen Daan Stuyven: Kein einziges Elektronik- Tool wurde darauf verwendet. Stattdessen entwickelt Daan mit seiner festen Live-Band einen kompakten, zugleich raumgreifend großen Bandsound, in dem seine Kompositionen in einem vollkommen anderen Licht glänzen. Nicht Hipness, Tanzbarkeit oder betonte Eigenständigkeit regiert hier, sondern der Wunsch, so langsam in der Klasse der großen unantastbaren Songwriter anzukommen, die keinen allzu aufregenden Sound mehr brauchen, um intensiv, unmittelbar überwältigend und dabei noch immer wahnsinnig cool zu sein.

„’Manhay’ ist das typische Beispiel für ein Album, mit dem ich dem Rat all meiner Freunde zufolge in die komplett falsche Richtung gehe“, schmunzelt Daan. „Aber gerade das weckt meine Ambitionen“ – und führt dazu, dass er wieder mal ein Album vorlegt, das in seiner strahlenden Grandezza ebenso vollkommen natürlich, ja zwingend klingt, wie es in seiner voluminös-dichten Klangästhetik überrascht. Man höre dazu nur „Icon“, die erste Single des Albums, die in Belgien wieder einmal zu einem veritablen Hit mit dreifacher Platin-Auszeichnung avancierte: Ein vermeintlich melancholisch kompakter Country-Song, der seine Größe aus einer berührenden Melodie, einer höchst natürlichen Instrumentierung und Daans ausdrucksstarker Stimme schöpft. Und damit zu einem Statement großer Songwritingkunst wird.

Ist „Manhay“ also bereits so etwas wie ein frühes brillantes Alterswerk? „Ich hoffe nicht!“, lacht Daan. „Ehrlich gesagt fühle ich mich auch nach 20 Jahren Musikmachen noch wie am Anfang. Da ist noch so viel zu entdecken. Schau dir nur ‚Manhay’ an: Ein Album wie dieses, das die gelungene Komposition in seiner klassischsten Bandinstrumentierung ehrt, habe ich noch nie gemacht. Dabei ist es eine der natürlichsten Formen von Musik. Ich nähere mich also erst langsam dessen, was andere Musiker vermutlich ‚die Basis’ nennen würden.“ Dies zeigt im übrigen auch „Simple“, das in Belgien bereits erschienene, hierzulande erst später zur Veröffentlichung anstehende sechste Daan-Werk: Darauf intoniert er 18 seiner eigenen Lieblingssongs aus den vergangenen zehn Jahren in maximal minimalistischer Weise: Nur er, eine Gitarre, ein Vibraphon, ein Cello und ein wenig Percussion. Wieder ein anderer Daan.

Wieder so intensiv, dass man selbst die Rückenschauer zu lieben lernt, die das Hören seiner Musik begleiten. Wieder neu, aufregend, einnehmend, anrührend, tiefgehend. Über wie viele Solokünstler lässt sich das auch 15 Jahre nach ihrem Debüt noch sagen?

www.daan.be

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