Katharine Mehrling, die Annett Louisan für Jazz-Freunde

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So, nun haben wir den DSDS Schock mit dem Rauswurf des kleinen Sebastian hoffentlich überwunden und wollen uns hier im Musik-Magazin wieder der echten Musiker bzw. Musikerinnen zuwenden. Katharine Mehrling veröffentlicht jetzt ein neues Album namens AM RANDE DER NACHT. Sie schreibt wirklich tolle Songs und ist wahrlich keine Rockerin. Eher erinnern ihre Songs  an die Lieder von Annett Louisan. Auch in der Wahl einiger irgendwie auch frechen Texte. Wobei sie aber dann doch wirklich noch jazziger, bluesiger rüberkommt. Musik textmäßig zum zuhören und melodiemäßig oft auch zum träumen.

Und Zwischen der Dunkelheit und dem Tag, kurz bevor die Dämmerung anbricht und schon ein Hauch von Blau in der Luft liegt – das ist der Moment, den Katharine Mehrling besonders liebt: “Es gibt Gedanken, die man nur sehr spät nachts zulässt, Worte, die man nur nachts ausspricht, Dinge, die man nur nachts tut. In dieser Zwischenwelt – wo alles passieren kann, aber nichts muss – fühle ich mich Zuhause.“

Die Sängerin, Songschreiberin und Schauspielerin bewegt sich gerne „Am Rande der Nacht“, wie auch ihr Album heißt: ein kleines Wunderwerk zwischen Chanson, Jazz und urbanem Blues. Mit charmanten Leichtigkeit wandert sie durch die unterschiedlichen musikalischen Genres: mal zart und verletzlich, mal kraftvoll und selbstbewusst. Sie beschreibt die kleinen und großen Dinge des Lebens, singt von Sinnlichkeit, vom flüchtigen Glück der Liebe, von zerbrochenen Träumen und der Magie des Augenblicks. Mal eindeutig zweideutig, mal zwischen den Zeilen, gern selbstironisch, entwaffnend ehrlich und doch voller Geheimnisse.

Gemeinsam mit dem legendären Klarinettisten Rolf Kühn, der größtenteils die Musik und die Arrangements für dieses Album schrieb, hat sie „Am Rande der Nacht“ in den Berliner Hansa Studios aufgenommen und produziert. „Rolf hat mit Größen wie Chet Baker oder Sarah Vaughan gespielt und jetzt darf ich mit ihm arbeiten. Wow! Seine musikalische Feinsinnigkeit und meine Geschichten sind nun zu Songs verschmolzen, das empfinde ich als kostbares Geschenk.“ Rolf Kühn über Katharine: „Immer wieder berührt sie mich mit ihrer sehr eigenen Art zu interpretieren. Ihr Timbre ist unverkennbar, ihre Stimme geht unter die Haut.“

Katharine Mehrling ist mit Musik aufgewachsen, schon ihre Mutter nahm deutsche Chansonplatten auf. „Meine Eltern betrieben eine Musikkneipe, wo jeden Abend eine andere Band auftrat. Mein Zimmer lag direkt darüber und donnerstags konnte ich nie einschlafen, da spielte die wildeste Dixielandband im Umkreis von 100 km …“ lacht sie. Katharines Weg führte von der Künstlerfamilie aus dem hessischen Ostheim nach New York auf die Schauspielschule, zum Theaterdebüt ins Londoner West End bis nach Paris, wo sie, fasziniert von der Hingabe Edith Piafs an das Leben und die Musik, deren Spuren folgte. Inspiriert vom Lebensgefühl dieser sinnlichen Stadt, spielte sie in Berlin, wo Katharine längst kein Geheimtipp mehr ist, Bühnenrollen wie Sally Bowles, Irma la Douce und eben auch die Piaf. Dazu begeisterte sie in ihrem Soloprogramm „Bonsoir Katharine“ und sang in dem Tom Cruise-Film „Operation Walküre“.

Doch dann gab es das Bedürfnis, nicht mehr nur in fremde Charaktere zu schlüpfen und diese zu interpretieren, sondern ihre eigenen Gefühle und Gedanken auszudrücken. Das Schreiben von Liedtexten und Melodien ist für sie einer der persönlichsten Momente überhaupt. „Die meisten Ideen kommen mir bei Nacht. Wenn ich nach einer Theatervorstellung meine Rolle abstreife, bin ich oft noch lange im nächtlichen Berlin unterwegs, um mich inspirieren zu lassen.“ Und hiervon erzählt sie nun, in den Momentaufnahmen auf ihrem Album:
Zum lässigen Swing von „Lecker“ zelebriert sie augenzwinkernd ihre Verführungskünste – da knistert es voller Spannung. So auch in „Was sie will“, bei dem sich Katharine zu einem hypnotischen Orchestersound mit der „Widersprüchlichkeit der Weiblichkeit“ beschäftigt.

„Der Makrobiot“ kriegt in einem sexy Bigband-Arrangement charmant sein Fett weg („Mit deiner Lakto-Allergie eroberst Du mich leider nie“). Dann wieder singt sie von einer „bittersüßen“ Affäre und dem Ende einer großen Liebe – in „Dir wird‘s genauso gehn“ und „Vermiss dich gar nicht mehr“ – aber auch von der gelegentlichen Lust auf Melancholie in der Eigenkomposition „Beschäftigt mit dem Blues“ („Es tut so gut weh“). Schonungslos und intensiv: ihre Version von „Nantes“. Mit diesem Chanson der Französin Barbara, das „indirekt auch meine Geschichte ist“, bringt Katharine Mehrling vor allem ihre Trauer über den frühen Verlust ihrer Eltern zum Ausdruck, gestattet tiefe Einblicke in ihre Seele. Der Country-Jazz-Walzer „Mondlied“ beschreibt schließlich die nächtliche Leichtigkeit des Seins – ausatmen, loslassen …

Es sind dreizehn kleine Botschaften, von Katharine spätnachts in die Welt hinausgeschickt: an den Geliebten, an den besten Freund, an den Ex, an den Zweifler und an die große Liebe, all jenen ins Ohr geflüstert, die noch wach sind oder gerade erwachen. Mit ihrem Album hat Katharine Mehrling diese ganz gewisse Stimmung eingefangen, die es für sie wirklich nur dann gibt: „Am Rande der Nacht“.

http://www.katharine-mehrling.com/ – hier kann man auch was hören….

MPN

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